Kreatives
 

Geschichte:Liebesbriefe aus der Nacht

Aus MeerUndMehr, dem Geschichtenwiki.

Geschichten    Übersicht - Wie schreibe ich Geschichten? - Ich hab eine Idee, wo kann ich die wem mitteilen?
AfW8 - TLP - Spellbinder -
weitere... aktuelle Änderungen

John F. Kennedy und ich fahren in den Urlaub. Klingt trivial, war es aber nicht.


Prolog

Mit Dir gibt es nur Grösse. Dein Atem trägt die Unermesslichkeit in meine Seele. Die Ahnung von sanften Dünen und wogendem Grasland.
Da wo Du bist, können weder Enge noch Beschränkung existieren. Kleinliche Normen und die Traurigkeit zugemauerten Lebens unter lärmenden Beton, stumpfsinnige Mentalitäten die unseren Geist vergiften – all das wird allein durch den Anblick Deiner Schönheit besiegt.

Wenn ich mich in den Irrgärten des Absurden verlaufe, schickst Du mir den kühlen Wind der Freihheit, auf dass er mich wieder hinaustrage in die offene Weite.

Du hast einst gesagt: Die Poesie erinnert uns an die Vielfalt und den Reichtum des Lebens.

Du bist Poesie und Du bist mein Reichtum.

Aus: Lettres de ma Maison Blanche

Kapitel 1: Alle Jahre wieder

Im kalten Winter träumt man gerne vom Sommerurlaub

- So langsam müssen wir uns Gedanken machen, wo es dieses Jahr hingehen soll.

Jacks warme Stimme liess die Kälte etwas weniger grimmig erscheinen. Den Sommerurlaub planen! Bei gefühlten minus fünfzig Grad Aussentemperatur, das hörte sich doch ganz gut an.
-Ja, und wo wollen wir denn nun hin? schnurrte ich ihm ins Ohr, die Wolldecke noch etwas enger über uns ziehend.
-Weiss nicht. Mach einen Vorschlag.
-Ich mache das, was Du willst. Also sag einfach wo Du hin möchtest.

Seit unserer Hochzeit vor vier Jahren sind wir insgesamt drei mal im Sommerurlaub gewesen. Immer stets einen ganzen Monat lang, im Sinne eines echten Honeymoons. Für mich ein Höhepunkt im Jahr.

-Einfach wieder etwas schönes, südliches, wo es warm ist und man baden kann. Schlug ich vor.
-Also wird das wieder nichts mit der Nordpol-Expedition? Jacks Lächeln ist bezaubernd wenn er scherzt.
-Ja, ich fürchte, in dieser Hinsicht unterscheide ich mich nicht von den meisten anderen Leuten. Wärme muss sein.
-Welche unserer vorherigen Reisen hat Dir denn am besten gefallen? Vielleicht machen wir etwas ähnliches. Oder hast Du eine andere Idee?
-Die erste, die auf die Insel Maurtitius war wundervoll und die zweite, die Segeltour durch das antike Mitelmeer, auch.
-Und die letzte?
-War ganz nett.
-Aha? nur ganz nett?
-Ach du meine Güte - was erwartest Du denn? Eine Pauschalreise nach Barbados, all inclusive. Nur weil Du mal "etwas neues ausprobieren" wolltest. Verreisen wie die die "einfachen Leute". Ich kann von Glück reden, dass es nicht direkt nach Mallorca ging, auf den Spuren von Tom Gerhardt sozusagen, wobei - so gross war der Unterschied dann wohl gar nicht.
-Ach komm, es war doch ziemlich witzig.
-Dass Dir das Eimer-Wettsaufen am letzten Urlaubstag ganz gut gefallen hat, das habe ich schon gemerkt. Peinlich!
-War es wirklich so schlimm?
-Es immer schön mit Dir zusammen zu sein, egal wo. Mit Dir würde ich auch in einer Besenkammer Urlaub machen, trotzdem wäre ich froh, wenn wir heuer ein anderes Ziel wählen würden. Was ich an unseren ersten beiden Reisen geschätzt habe, war der Anteil an Kultur. Wir haben verschiedene Orte besucht, wir haben uns neue, aufregende Dinge angesehen und uns nicht einfach nur vier Wochen im Sand von der Sonne rösten lassen.
Der vorwurfsvolle Unterton meiner Worte hatte mir etwas leid getan. Jack schien aber nicht irritiert.

-Na, dann haben wir die Sache ja schon etwas eingegrenzt: Es muss warm sein, es muss kulturell anspruchsvoll sein und es darf nicht von Anfang bis Ende der selbe Ort sein. So wie ich das sehe, wird das ein Best-off der Reisen eins und zwei.
-Also wie wäre das: Wir fahren wie immer zunächst nach New York...
-Das ist ja längst Kult! Unterbrach mich Jack.
-Also wir fahren nach New York und dann fliegen wir nach Paris und von dort...
-Nach Rom oder Athen.
-Nein, eben nicht, jetzt hör doch mal zu!
-Ich höre zu. Grinste Jack.
-Von Paris geht's weiter nach Friedrichshafen am Bodensee. Von dort setzen wir nach Romanshorn über und nehmen die Postkutsche nach Süden, durch die Via Mala bis nach Genua. Und in Genua besteigen wir ein Schiff um zu unserem Ferienziel zu gelangen: einer eolischen Insel.
-Gut, so machen wir's! Stimmte mir Jack zu.
-Das wird toll, so haben wir in etwa die Hälfte des Urlaubes Reisezeit und die andere Hälfte einfach nur Badeferien. Die Heimkeher ist dann wie immer per Flugzeug.
-Na ich weiss nicht, das mit dem Fifty-Fifty wird nicht hinhauen. gab Jack nun plötzlich zu bedenken.
-Meinst Du?
-Rechne mal nach: Also wir fahren wie üblich am Tag nach meinem Geburtstag los, also am 30. Mai. Die Postkutsche von Brookline nach N.Y braucht, wie Du weisst, drei Tage. Wir sind also am 1. Juni in New York und fliegen von dort am 2. Juni ab. Der Flug per Zeppelin nach Paris dauert vier Tage, wir sind also am 5. Juni in Paris. Am 6 reisen wir weiter nach Friedrichshafen und Romanshorn, wo wir dann am 7. Juni die Postkutsche Richtung Süden nehmen. Die braucht mindestens zehn Tage bis Genua. In Genua sind wir also am 17. Juni. Wenn wir am 18. Juni ein Schiff bekommen, sind wir frühstens am 20. Juni auf einer eolischen Insel, sei das nun Lipari oder Vulcano. Tja, und da wir am 21. Juni wieder zu Hause sein müssen, bleibt uns eigentlich nur ungefähr eine Viertelstunde Zeit, uns kurz umzuschauen und dann per Schiff die Nacht durchzureisen nach Palermo und dort das Flugzeug nach Hause zu nehmen. Und ich bin mir nicht mal sicher, ob wir es so überhaupt rechtzeitig zum Litha-Fest schaffen.
-Hm...ich sehe was Du meinst. das liegt dann wohl an der langen Postkutschenfahrt.
-Ja, es gibt nur eine Möglichkeit: Wir fliegen von Anfang an mit dem Flugzeug oder fahren erst nach Litha. Also am 22. Juni. Dann haben wir mehr Zeit.
-Wir fahren erst nach Litha! Ereiferte ich mich.
-Zehn Tage enge Postkutsche unter sengender Hitze oder mörderischen Bergewittern ist also ein wichtiger Bestandteil der Ferien?
-Ja, mein Schöner. Ich möchte gerne "bewusst" nach Süden fahren.
-Na dann. seufzte Jack.


Bearbeiter dieser Geschichte

--Bild:Irishelk.pngMisses KennedyAudienzDie Weltenbibliothek 23:09, 28. Jan. 2009 (UTC)

Vorgestellte Geschichte



Noch keine Kommentare vorhanden! Schreib einen!

  • bearbeiten
    Sei kreativ und verbessere MeerUndMehr (Bearbeiten)
  • Benutzerseite
    MtaÄ hat diese Seite am 4. September 2009 bearbeitet
Bewerten: